Richtig. Schlüti ist wieder im Lande. Bei dem ein oder anderen von euch hat es sich vielleicht schon rumgesprochen. Seit letztem Samstag bin ich wieder da. Der Heimweg hat nur lächerliche 43 Stunden gedauert. Warum? Naja von den fast neun Stunden Aufenthalt habe ich euch ja bereits erzählt.
Aber man kann ja dieser Tage froh sein wenn man nicht über Bangkok fliegt. Nachdem in Hong Kong die letzten zwei Stunden mit dem unbequemsten Schlaf meines Lebens am Gate 60 vom Cathay Pacific Flug 289 verbracht ging es dann in die ungefähr halb ausgebuchte Boeing 747 in Richtung Frankfurt am Main International Airport. Es addierten sich noch mal 13 Stunden zu den bereits vollbrachten 24 Stunden Reisezeit. In Frankfurt angekommen war dann erstmal Gepäck abholen angesagt. Der erste Schock überkam mich. Bereits nach fünf Minuten Wartezeit fing der Durchschnittsdeutsche, Hans, Ego, Erwin oder wie auch immer (Leser mit diesem Namen mögen sich bitte nicht beleidigt fühlen) an sich furchtbar aufzuregen, warum denn das Gepäck noch nicht da sei. Mist dachte ich mir. Du bist wieder in Deutschland. Ich begann zu überlegen wie die Situation in Australien gewesen wäre. „No worries“, „Let´s have a beer“ wären wahrscheinlich die meistgesagten Sätze am Gepäckband in Sydney, Melbourne, Adelaide oder Perth gewesen. Auch den Zollhund hätte man nicht weiter beachtet. Höchstens „How are you“ gefragt um dann wieder ganz entspannt in irgendein Small-Talk-Gespräch zu flüchten. Nicht jedoch in Frankfurt. Hektische Menschen wuselten zwischen den beiden in Frage kommenden Gepäckbändern hin und her. Vierer Grüppchen bildeten sich, die einen taktisch meisterhaften Schlachtplan entwickelten, wer wo welches Stück zu holen habe. Für eine Person musste diese Unterfangen schier unmöglich sein. Ich habe meinen Koffer trotzdem nach circa 20 Minuten vom Gepäckband gehievt (hat da jemand Steine rein gepackt?). Ich glaube selten wurde mir der Unterschied zwischen Deutschland und Australien so bewusst und konzentriert klar gemacht wie in diesen 20 Minuten. Meine Angst vor dem Zoll hatte sich dann schnell erledigt. Scheinbar wird dort auch nur zwischen 8 und 17 Uhr gearbeitet. Easy going! Wie bereits befürchtet konnten mich meine Eltern aufgrund des einsetzenden Winters in Deutschland dann nicht vom Flughafen abholen. Also gings dann mit dem Shuttle Bus vom Terminal 2 zum Fernbahnhof.
Gerade ausgestiegen überkam mich dann der zweite Schock. Ich wurde ja bereits vorm deutschen Winter gewarnt. Ich hatte aber irgendwie ganz verdrängt wie kalt 0 Grad wirklich sind. Pünktlich beim Ausstieg setze dann auch noch ein Mini-Schneesturm ein, der genauso pünktlich wieder aufhörte als ich das Dach des Bahnhofs über dem Kopf hatte. „No Worries“ ! Im ICE habe ich dann ein Platz gefunden und es mir vor meinem Computer, welcher mich mit dem Abspielen einer DVD unterhielt, gemütlich gemacht. Fast da! Dachte ich zumindest. Bis Hannover war alles fein. Aber die letzten zwei Stunden sollten dann noch mal als Odyssee
enden. In Hannover hatte ich leider meinen Anschluss-ICE verpasst, kann passieren. Da der nächste erst in einer Stunde losfahren sollte, entschied ich mich für die Variante IC. Dieser kam auch direkt an, fuhr aber leider nicht weiter. Betriebskopfschaden. Dumm gelaufen. „No Worries“. Nimmste halt den Regionalexpress, der braucht zwar drei mal so lange wie der ICE, aber da kannste noch die schöne verschneite Landschaft genießen. Also rein in den Zug. Leichter gesagt als getan. Als sich die Zugtüre öffnet stehen da auf einmal 20 Polizisten in Kampfanzug vor mir. Doch noch der Zoll dachte ich mir. Soviel hatte ich doch jetzt auch nicht geschmuggelt. Und noch nicht mal Illegales. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen. Nein das musste einen anderen Grund haben. Hatte es auch. Bundesliga. Nach Betreten des Zuges sah ich nicht nur die Hertha BSC-Fans ich roch sie auch. Oder viel mehr die Mischung aus Barcadi, Bier, Erbrochenem und Urin, an welcher die circa 500 Fans im Zug seit morgens 5:30 Uhr (laut Aussage eines Polizisten) mixten. Schöner hätte die Heimreise nicht sein können. In Bielefeld habe ich dann noch 10 Minuten meine Eltern am Bahnhof gesucht. Ohne Handy ist man echt aufgeschmissen. Aber dann wars es soweit. Umarmung, Wiedersehen feiern mit der Familie. Das erste deutsche Bier und das erste richtige Brot seit drei Monaten haben wunderbar geschmeckt. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Hannover auf einer Reise von Melbourne nach Bielefeld zur größten Hürde wird. Gerade jetzt wird mir bewusst wie ironisch es ist, dass ich euch diese Worte aus einem Zug von Bielefeld nach Hannover schreibe. Mal sehen wann ich wo ankomme.
Na dann herzlich Willkommen zurück in der Kühlkammer Deutschland mit ihren miesepetrigen Schneemännern.
“No worries” ist bei den ganzen Schocks zumindest die beste Antwort auf all das Genörgle
Welcome back! Und ja, ich kann den Schockzustand nur all zu gut nachempfinden.